Philosophie als Wissenschaft

Auch die Ausgestaltung der Philosophie als Wissenschaft geht mindestens auf Platon und Aristoteles zurück. Platon begründete den auch in der Gegenwartsphilosophie gültigen Begriff des Wissens als wahre und begründete Meinung. Mit dieser Akademie gab er der Philosophie einen institutionellen Rahmen und schuf so die Grundlage der Schulphilosophie. Mit seiner Methode des Dialogs betonte er die Offenheit und den diskursiven Charakter philosophischen Denkens und entwickelte mit der Dialektik und der Methode der Dihairesis konkrete Instrumente zur Analyse der von ihm aufgeworfenen Fragen. Seine Ideenlehre kann als erstes philosophisches System gelten.

Aristoteles, selbst Schüler der Akademie, löste sich von Platons Vorstellung der Philosophie als einem ganzheitlichen Wissensbestand und unterschied die Philosophie von den übrigen Disziplinen, die sich nicht mit den Prinzipienfragen nach dem Seienden, sondern mit dem positiven Wissen befassen. Die Metaphysik bzw. Ontologie befasst sich mit dem Wesen des Seienden (quosia), während Einzelwissenschaften die Verhältnisse der schon als seiend erkannten Gegenstände untereinander zum Thema haben. Aristoteles zeigte sich als strenger Empiriker, für den Wissen nur aus Sinneswahrnehmungen entstehen kann. Wissenschaft bedeutete für ihn entweder die deduktive Ableitung von Aussagen aus eindeutigen Tatsachen oder das Erkennen von methodisch hergeleiteten Prinzipien, die zu einem Kanon von gültigen Aussagen führen. Wissen ist lehrbar. Es unterteilt sich in Theorie (Physik, Metaphysik), Praxis (Ethik, Politik, Oikoslehre) und Poietik (Medizin, Handwerk, Kunst). Zudem schuf Aristoteles mit der Syllogistik eine wesentliche Grundlage für wissenschaftliche Beweisführung, die erst im 19. Jahrhundert mit der Prädikatenlogik eine wesentliche Erweiterung erfuhr, die zu neuen Perspektiven führte. Auch die Ethik verstand Aristoteles nicht nur als Anleitung zum praktischen Handeln, sondern in der Einleitung zur Nikomachischen Ethik setzte er sich auch mit der metaethischen Frage auseinander, wie ethische Prinzipien mit wissenschaftlichen Methoden erkannt werden können. Als Maßstab galt ihm dabei die praktische Weisheit (Phronesis), aus der die Gesetze sittlichen Handels abzuleiten sind.

In der platonischen Akademie und im Peripatos, der Schule des Aristoteles, hatte sich die Philosophie als Profession ihre Institutionen geschaffen. Weil die beiden Schulen bestimmte an den Schulgründen orientierte Lehren vertraten, kam es zu weiteren Schulgründungen durch Epikur, bei dem die materialistischen Ideen der Atomisten und eine am Nutzen orientierte Ethik ihre Heimat fanden, sowie durch Zenon von Kition, der in der Stoa einen ganzheitlichen Zugang zur Welt durch Selbstbeherrschung und Gelassenheit lehrte. Lediglich der Skeptizismus als philosophische Grundposition fand keinen institutionellen Rahmen, wenn auch skeptische Gedanken in der Akademie eine Zeit lang eine herausragende Bedeutung hatten.

Erläuterungen zum Text

zurückgehen auf (A) - восходить к чему-либо

Rahmen, m - предел, граница

Offenheit, f - откровенность, прямота

aufwerfen - поднимать (вопрос)

Einzelwissenschaften, Pl - отдельные (частные) науки

Verhältnis, n -e - отношение

Wahrnehmung, f -en - восприятие

Anleitung, f -en - введение; указание

Tatsache, f -en - факт

Beweisführung, f - представление доказательства

sittlich - нравственный

die Heimat finden - найти свое место

Selbstbeherrschung, f - самообладание, сдержанность

Analytische Philosophie

Die Analytische Philosophie wird auch „Logischer Positivismus“, „Logischer Empitismus“, „Common Sense Philosophy“, „Ordinary Language Philosophy“ und „Neopositivismus“ genannt. Sie war die bedeutendste philosophische Strömung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, zuerst in den angelsächsischen Ländern, dann auch auf dem europäischen Kontinent.

Wie der Name sagt, will diese Philosophie analytisch sein, will Sachverhalte systematisch erforschen. Orientiert ist sie dabei an die empirisch-naturwissenschaftliche Einzelwissenschaft. Wie dort soll auch in der Philosophie logische Stimmigkeit, intersubjektive Überprüfbarkeit, Eindeutigkeit und erkennbarer Fortschritt als Kriterien für Wahrheit gelten. Faktisch ist es so, dass sich die analytische Philosophie aber weniger mit Dingen, Sachverhalten, Ereignissen, Beziehungen, Eigenschaften etc. beschäftigt, sondern mit Aussagen, Begriffen, Prinzipien und deren Sinnerklärung.

Im Gegensatz zur bisherigen Philosophie ist in der Analytischen Philosophie die Sprachphilosophie der wichtigste, wenn nicht sogar der einzige Bestandteil der Philosophie. Man ist bestrebt, die Bedeutung von Begriffen und Aussagen zu klären, Kriterien zu entwickeln, um sinnvoll über Wahrheit reden zu können und künstliche Sprachsysteme, ideale Modellsprachen, Objektsprachen oder Metasprachen zur (logischen) Analyse philosophischer und einzelwissenschaftlicher Problemstellungen zu entwickeln.

Dieser von der Analytischen Philosophie vorgenommene „linguistic turn“ („Wendung zur Sprachanalyse“) ist ein wichtiges und folgenschweres Ereignis in der Philosophie des 20. Jahrhunderts. Philosophie wurde vielfach auf Sprachanalyse und Linguistik reduziert, große Teile dessen, was bisher zur Philosophie gehörte, wurde von vielen Philosophen aus der Philosophie „verstoßen“, z.B. Ethik, Ästhetik, das Leib-Seele-Problem.

Die analytische Philosophie will nicht ganze philosophische Systeme oder Theorien aufstellen. Die philosophischen Überlegungen wollen nicht die vorhandenen Kenntnisse vermehren, sondern die logische Geographie dieses Wissens berichtigen.

Die bisherige Philosophie habe sich größtenteils mit Scheinproblemen beschäftigt, die sich aus einer Ungenauigkeit der Sprache ergeben hatten, bzw. daraus, dass die benutzten Worte keinen empirischen Gehalt haben, z.B. das Wort „Gott“, Sätze wie „Gott existiert“ oder „Gott existiert nicht“ sind gleichermaßen sinnlos. Die Frage, ob die Welt primär ein geistiger oder ein materieller Tatbestand ist, sei ein Scheinproblem.

Die Metaphysik oder sprachanalytische Ethik wird nicht zur Ethik gerechnet, sondern soll eine wertneutrale, wissenschaftliche Untersuchung vorhandener ethischer Aussagen und Begriffe ermöglichen. Sie fügt der Ethik keine neuen Aussagen hinzu. Gefragt wird nicht danach, was gut und böse ist, sondern was die Begriffe gut und böse in den verschiedenen Ethiken bedeuten.

Erläuterungen zum Text

Sachverhalt, m - обстоятельства дела

Stimmigkeit, f - соответствие

Überprüfbarkeit, f - пересмотр

Eindeutigkeit, f –en - ясность, недвусмысленность

Ereignis, n -se - событие

Beziehung, f -en - отношение

vornehmen (nahm vor, vorgenommen) - производить исследование

folgenschwer - чреватый последствиями

reduzieren - сократить

verstoßen - отвергать

aufstellen - устанавливать

Überlegung, f -en - рассуждение

berichtigen - исправлять; опровергать

Gehalt, m -e - содержание

Tatbestand, m - факты

rechnen - причислять

VII.Lesen Sie ohne Wörterbuch untenstehende Texte und machen Sie auf Russisch eine kleine Zusammenfassung (ein Resüme) der Texte.

(Biologie)

Neurotechnologie

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