Boris: Subov, Boris Subov

Helmut: Es freut mich, einen Russen kennen zu lernen. Schön, dass ihr so zeitig da seid. Dann können wir gleich gemächlich durch die Altstadt bummeln. Ihr wolltet ja etwas über unsere Stadt und ihre Geschichte erfahren. Wiewohl Klaus jetzt schon zwei Jahre hier lebt: Ein Kölner ist er deswegen ja immer noch nicht.

Boris: Wer ist denn ein „Kölner“?

Helmut: Na, schwer zu sagen. Eigentlich ist das nicht eine Sache der Geburt, sondern der Mentalität; Rheinländer und Kölner sind dabei keineswegs identisch. Aber etwas „Kölsch“, also unsere Stadtsprache, gehört schon dazu. In ihr sind typisch kölsche Lebensgrundsätze formuliert: „Et kütt, wie et kütt!“, also eine gewisse Gelassenheit; „Et hät noch immer jot jegange!“ als ein Grundoptimismus, oder „Levve un levve loße!“, als Ausdruck einer großen Toleranzbereitschaft, auch Fremden gegenüber.

Boris: Mir fällt auf, dass hier ungeheuer viel Ausländer sind: Chinesen, Japaner; auch Russisch hörte ich eben schon.

Helmut: Das waren hier am Dom bestimmt Touristen. Aber in Köln leben sehr viel Arbeitsmigranten, aus Italien, Spanien, Portugal, vor allem aus der Türkei. Die ersten kamen Ende der 50-ger Jahre des letzten Jahrhunderts als Gastarbeiter. Später kamen auch Asylanten, Flüchtlinge aus dem ehmaligen Jugoslawien und natürlich viele Ausländer aus Russland. In Köln ist der Ausländeranteil besonders hoch, in einigen Siedlungen sogar bis zu 40%. Im Grunde hat das Tradition. Die Stadt ist ja eine Gründung der römischen Kaiserin Agrippina, um 50 n. Chr. Sie wurde nämlich hier in dem Lager der römischen Legionäre geboren, die zunächst noch Germanien jenseits des Rheins erobern wollten.- Dort drüben seht ihr übrigens noch eine Seitenpforte von einem der riesigen römischen Stadttore. „Altstadt“ ist im Grunde die „Römerstadt“; im Mittelalter wurde dann die Stadt um ein Vierfaches erweitert.

Boris: Und der Dom stammt dann aus dem Mittelalter?

Helmut: Ja und nein. Der Bau wurde 1248, also im Hochmittelalter, begonnen. Nach der Reformation kam der Bau zum Erliegen. Erst im Zuge der Romantik unter einem romantischen preußischen König wurde 1842 der Weiterbau der gotischen Kathedrale beschlossen. 1880 war sie, jetzt mit modernen technischen Mitteln, vollendet. Die längste Baugeschichte auf der Welt. Und die Erosion zwingt dazu, dass noch immer weiter gebaut wird.

Boris: Wahnsinnig! Allein schon die Türme. 156 m hoch sollen sie sein.

Helmut: Ja, dieser Dom wurde wegen der Gebeine der Heiligen Drei Könige gebaut. Sie sind die vorzüglichen Stadtpatrone. Der Dom ist gewissermaßen ein Schrein aus Stein und Glas um ihren goldenen Schrein. Ich möchte mit euch jetzt noch rüber zum Rathaus gehen.

(auf dem Rathausplatz)

Ja, ihr steht hier wirklich auf einem historischen Boden, wie er in Deutschland kaum anderswo zu finden ist. In römischer Zeit stand hier der Palast des Stadthalters von Niedergermanien. Später benutzten die Merowinger ihn vorübergehend als Königspalast. Im Mittelalter wurde dann hier das Haus gebaut, in dem die Patrizier, die reichen Bürger, zur bürgerlichen Selbstverwaltung zusammenkamen. Den ursprünglichen Stadtherrn, den Erzbischof, vertrieben sie. Je reicher die Stadt und die Bürger wurden, umso größer und aufwändiger wurde dieses „historische Rathaus“; und als später auch die Zünfte – Handwerker und Händler – die Mitherrschaft erkämpft hatten, bauten sie den Ratsturm hinzu. Heute seht ihr diesen freien Platz vor dem Rathaus und dort drüben das neue Wallraff-Richartz Museum. Im Mittelalter war dieser Platz dicht bebaut. Hier stand nämlich das jüdische Viertel, vielleicht das älteste in Deutschland: Männer- und Frauensynagoge, ein Fest- und Hochzeitshaus, die Mikwe, also ein Kultbad, kleine Läden und sogar eine Herberge für durchreisende Juden. Die Juden finanzierten den Handel, aber auch wissenschaftlich spielten sie eine große Rolle. Die Kreuzzüge veränderten ihre Lage, und 1424 wurden sie gänzlich aus der Stadt vertrieben. Ihre Grundstücke wurden okkupiert und die Schuldscheine zerrissen und verbrannt. An die Stelle der Synagoge setzte man eine Ratskapelle: Maria in Jerusalem. Und der berühmteste Kölner Maler, Stefan Lochner, erhielt den Auftrag für sie das Altarbild der Stadtpatrone zu malen. Heute bewundern Hunderte von Menschen tagtäglich dieses Bild im Dom, ohne etwas von diesem düsteren Hintergrund zu ahnen. Aber ich glaube, wir machen jetzt eine kleine Mittagspause. Nur noch kurz: dort drüben seht ihr den Ort, wo zu Beginn des 18. Jahrhunderts von dem Italiener Johann Maria Farina das „Eau de Cologne“, das weltberühmte „Kölnisch Wasser“ erfunden wurde. Paris war damals noch nicht die Stadt des Parfums; und Köln belieferte nicht nur Wien und Berlin, sondern auch den Hof von Versailles und St. Petersburg. - Wir gehen jetzt mal rüber zu dem in ursprünglicher Gestalt wieder aufgebauten Gasthaus „Zur Brezel“ und machen dort eine kleine Mitttagspause.

Wörter und Wendungen

ahnen vt догадываться, подозревать
anderswo где-нибудь
aufwändig дорогостоящий
beliefern vt снабжать, поставлять
bummeln viugs. бродить, гулять
düster мрачный
erfinden* vt придумать, изобрести
erkämpfen vt завоевывать
Erliegen (книж) zum Erliegen kommen* (s) прекращаться, останавливаться, приходить в упадок, регрессировать
Erzbischof m –s, ..schöfe архиепископ
gemächlich спокойный, неторопливый; удобный
Hintergrund m –(e)s, ..gründe задний план, фон
Kapelle f =, -n часовня
Kreuzzug m –(e)s, ..züge крестовый поход
Palast m –es, ..läste дворец
Patron m –s, -e патрон; покровитель, защитник; меценат
Pforte f =, -n ворота
Schrein m –(e)s, -e ларец
Schuldschein m –(e)s, -e долговое обязательство, расписка
Toleranz f =,nur Sg. Toleranzbereitschaft f =, -en терпимость готовность проявлять терпимость к(кому-л.)
Tor n –(e)s, -e ворота
Turm m –(e)s, Türme башня
verbrennen vt сжигать
vertreiben* vt прогонять, изгонять
vollenden vt заканчивать
wahnsinnig безумный, невозможный
zerreißen* vt разорвать, разодрать
Zunft f =, Zünfte (ремесленный) цех; гильдия; корпорация

Boris: Subov, Boris Subov - student2.ru Texterläuterungen

Stefan Lochner -der bedeutendste Kölner Maler des Mitelalters, geb. zwischen 1405 und 1415, gest. 1451, Hauptvertreter der Kölner Schule der Spätgotik. Die bekanntesten Werke: das Altargemälde der Kölner Stadtpatrone (im Kölner Dom); „Maria in der Rosenlaube“ (Köln,Wallraf-Richartz-Museum)

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